81 Ludwig Mang 26.05.05 21:33 |
Hallo - wollte als über 20 Jahre professionell tätiger bildender Künstler (und Marketingfachmann- das gibts auch bei Künstlern) zum Thema eBay - und Kunst einige Worte schreiben.
Meine Meinung:
Auf der (Kunst-)Plattform von eBay würde ich trotz derer großen Bekanntheit niemals ein anspruchsvolles Kunstwerk präsentieren. Auch nicht, wenn heute in den Zeiten von Hartz IV viele Künstler (auch Profis) um ihr Überleben kämpfen (müssen) und eBay u.U. einem wegen der angeblichen Verkäufe als vermeintlich erfolgreicher Rettungsanker und Geldmaschine vorgegaukelt wird.
Wirklich gute Kunst wird dort schon wegen des Preises, die solche einfach hat, niemals verkauft werden können.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Präsentation dort positiv zu einer mühsam erworbenen Vita beitragen wird – eher das Gegenteil.
Sehr wenige sich dort tummelnde "Künster/innen" haben vom Kunstmarkt und wie er funktioniert scheinbar wirklich eine Ahnung.
Man sollte Kunst bei eBay einfach unter dem derzeit allgemein gebräuchlichen Konsum-Schlagwort "Geiz ist geil" einstufen.
Weitere Argumente:
Auch in der heutigen Zeit geht es für eine Künstler-Existenz vorrangig immer noch um die Positionen und inhaltlichen Aussagen der Kunst in der Gesellschaft.
Die einschneidenden Veränderungen in gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen haben jedoch zwangsläufig auch eine existenzielle Auswirkung auf die Positionierung und Professionalität eines Künstlers im derzeitigen Kunstmarkt. Kunstschaffende werden auch kaum daran vorbei kommen, sich mehr denn je Gedanken zu machen über die Strukturierung und Erschließung seiner eigenen Zielgruppen und Käufer – im Kunstmarkt; z.B. was sind deren Beweggründe sich mit zeitgenössischer Kunst zu beschäftigen und einzurichten?! Es bedarf neben dem künstlerischen Können zunehmend mehr des Wissens um die Vermarktung der Kunst, um den oft mühevollen Balanceakt auf dem Kunstmarkt zu bestehen.
Auf den Punkt gebracht - wer oder was verhilft heute in der Kunst erfolgreich zu sein? Die verstärkte Orientierung auf ein (eigenes), professionelles Management erschließt, finanziert und sichert letztendlich den Künstlern das Einkommen und längerfristig auch den Erfolg in diesem Berufs-Genre. Kunstmarkt-Kenner, Kunstvereine, Kulturmanagement-Projekte und sogar Printmedien empfehlen, sich dringendst darauf einzustellen. Aktuellst stellt die Gewerkschaft Ver.di bereits eine besonders verschärfte, existenzbedrohende Lebenssituation gerade in den freien, künstlerischen Berufen fest.
Nach einer aktuellen, repräsentativen Ver.di Umfrage 2005, ist der Jahres-Durchschnittsverdienst aller freien, künstlerischen Berufe, ca. 11.000 €. Das entspricht gerade etwa 1/3 anderer Fachberufe, z.B. einer Bürofachkraft, Kaufmann-, Dienstleistungs- oder Handwerker-Tätigkeit, geschweige denn eines qualifizierten, akademischen Berufes in einem Angestellten oder Beamtenverhältnis.
eBay trägt also sicherlich nicht dazu bei gerade wirklichen Sachverhalt zu verbessern – eher erneut zum Gegenteil – des Wertes der Kunst!
Z.B. der qualifiz. Handwerksmeister bekommt für seine Handwerksleistung in der Regel selbstverständlich eine angemessene Vergütung – der Künstler bei eBay präsent – bescheisst sich selber mit Dumpingpreisen für seine Arbeit. (allerdings würde ich als Kritiker div. Arbeiten nicht einmal umsonst ordern).
Leider taugen heute die bisherigen, oft elitären Verkaufs- und Ausstellungskonzepte vieler Galerien auch nicht mehr, um alternativ – statt bei eBay – erfolgreich im Kunstmarkt tätig zu sein.
Galerien, meist nach unternehmerischen Grundsätzen geführt; inzwischen selbst spezialisiert und in bevorzugte Stilrichtungen oder thematischen und kulturellen Ausstellungs-Schwerpunkten aufgesplittert, sind fast ausnahmslos die Vertriebs- und Geschäftspartner der bildenden Künstler. Galerien wollen und können jedoch nicht der Masse der angebotenen Werke gerecht werden, sondern sie versuchen fast alle zwischen dem eigenen Idealismus, der Vorstellung von Kunst, der Nachfrage Ihrer vorhandenen(?) Zielgruppen deckungsgleich, eine Ware – Kunst – anzubieten. Trotz der Besonderheit der Produkte herrscht da also ebenso ein Markt, der de fakto mehr oder weniger auch den Gesetzen des Marktes folgt. Siehe auch unter www.Capital.de
(Im Gegensatz der Kriterien von Museen und u.U. div. städtisch/privat subventionierter Kunstvereine – die allerdings, sich inzwischen durch die Reduzierung von Zuschüssen auch bereits den kommerziellen Finanzierungierungs-Mechanismen des allgemeinen Marktes anpassen (müssen!).
(produziert voraussichtlich eine noch größere elitäre Auslese von Kunstschaffenden!)
Die Suche nach der „richtigen“ Galerie, am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt, ist deshalb eine frustrierende Erfahrung für viele Kunstschaffende - für nicht wenige fast unüberwindbar. Auch qualitativ gute Kunstwerke stapeln sich so in vielen Fällen weiter in Ateliers und der damit vermeintlich (naiv) erhoffte Erfolg schmilzt so dahin.
Realistisch analysiert ist diese entstandene Entwicklung der entscheidende strategische (Denk-) Fehler und Nachteil der „Ware Kunst“ im heutigen
Kunstmarkt.
Wer diesen Nachteil erkannt hat, steht dem klassischen Galerie-Handel; der Form des bisherigen Kunstmarktes, inzwischen sehr kritisch gegenüber.
Sie fragen sich – wo sind die Kunstliebhaber – gibt es effizientere Möglichkeiten, am Kunstmarkt tätig zu sein?
Nicht wenige sind auf der Suche nach neuen Alternativen, anderen Konzepten und Lösungen. Aber – eBay ist das sicherlich nicht.
Welche Verkaufchancen bieten sich also den bildenden Künstlern? Statt den „anonymen Kunden“ zur Kunst (quasi in die Galerie) zu bringen, sollte, ja muss die Kunst direkt zum Kunden! Auch wenn diese neuen Entwicklungen und Konzepte für Kunst- und Kulturliebhaber. inklusive des Managements erst entstehen und aufzubauen sind, wird/ist diese Vision bereits Realität und sicherlich die Zukunft.
Wenn jemand darüber (Start-up-Onlineprojekt) nähere Informationen wünscht, sende ich ihm/ihr diese gerne zu.
Viele Grüsse
Ludwig Mang
Ps.vielen Dank für meinen Texteintrag ins Gästebuch. |
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