Frank Scheuermann 06.02.11 15:48 |
Am letzten Freitag war ich von meinem Magazin beauftragt, einen Review zum Aynsley Lister Konzert zu verfassen. Die "Gesichtskontrolle" am Eingang habe ich als Journalist anscheinend nicht überstanden. Die nächsten Tage wird daher die folgende Kritik online gehen:
Aynsley Lister, 4.2.2011 im Rex in Lorsch
Wenn man als Musikjournalist den Weg ins Rex in Lorsch antritt, dann ist das immer mit extrem gemischten Gefühlen verbunden. Einerseits ist die Musik, die in diesem Laden gespielt wird, zumeist eine sehr feine Angelegenheit, zumal, wenn man sich der Rockmusik der 70er Jahre oder dem Blues verbunden fühlt. Andererseits ist da der meistens sehr demütigende Gang durch die Kasse, vorbei an der Chefin des Etablissements, Margit Gehrisch. Sicher, die Dame hat bestimmt ihre Verdienste um große Namen des Musikgeschäfts in unserer Nähe. ABER: Journalisten werden grundsätzlich damit abgebügelt, dass es a) keine Gästeliste gebe oder (besonders beliebt) b) zwar eine Gästeliste bestehe, zufällig aber der Name des betreffenden Schreiberlings darauf nicht zu finden sei.
Nun arbeite ich seit zwei Dekaden vertrauensvoll mit den unterschiedlichsten Managements, Konzertagenturen und Promotionfirmen zusammen und hatte weder bei Auftritten in Dorfkneipen noch bei großen mehrtägigen internationalen Musikfestivals jemals ein Problem, meinen Namen auf der Gästeliste zu finden. Nur wenn es ans Rex in Lorsch geht, scheinen alle Promoter zu versagen, da die Information augenscheinlich nie bei Margit Gehrisch ankommt. Und das ist schade. Die meisten Künstler freuen sich nämlich über gute Kritiken – und die allermeisten, die ich auch im Rex sehen konnte, hätten diese auch verdient gehabt. Aber bislang konnte ich meinen Gästelistenplatz dort nur verwirklichen, wenn ich in Kontakt mit dem Tourmanagement treten konnte oder schon beim Soundcheck zwecks Interviews anwesend war. Umso bizarrer wird der Habitus von Frau Gehrisch dadurch, dass sie sich bislang meistens von mir noch ganze CDs mit Konzertphotos dieser Veranstaltungen schenken ließ – sich aber beim nächsten Konzert wieder nicht daran erinnern konnte, mich jemals gesehen zu haben oder von meinem Job als Journalist zu wissen– und glaubt mir, mein Outfit hat sich in den letzten 30 Jahren nur marginal verändert: meistens geht es dabei nur um die Länge meines Bartes.
Dabei hatte ich noch die Hoffnung, dass sie sich ein wenig berappelt, nachdem sie beim Jeff Beck Konzert letzten Herbst in Mainz in der Schlange der Besucher, die sich auf der Gästeliste wähnten, genau vor mir stand – und dort ebenfalls (zumindest zunächst) abgewiesen wurde. Von mir daraufhin liebevoll unter dem Hinweis auf ihr eigenes Verhalten im Rex gefrotzelt, hatten wir dort eine Menge Spaß, zumal sich die Konzertveranstalter letztendlich ihrer erbarmten und sie kostenlos ins Konzert ließen.
Eine solche Größe hätte ich mir von Frau Gehrisch letzten Freitag auch gewünscht – aber dazu war sie nicht imstande und schubste mich am Ende sogar aus dem Kassenbereich, nicht ohne mich darauf hinzuweisen, dass ich den Menschen im Wege stünde, die noch Karten erwerben wollten. Ein solch ungezogenes Verhalten ist mir in meiner gesamten Zeit als Journalist noch nirgends begegnet.
Ach ja, wie das Aynsley Lister Konzert war? Nun, das habe ich mir dann nicht mehr angeschaut, da man solch flegelhaftes Verhalten schließlich nicht noch durch den Kauf von zusätzlichen Tickets unterstützen darf. Ich trat dann also unverrichteter Dinge den 45 Kilometer langen Rückweg an. Das Rex werde ich in Zukunft bestenfalls dann noch aufsuchen, wenn sich Frau Gehrisch für diese Peinlichkeit entschuldigt hat (was mich persönlich überraschen würde!) und Besserung gelobt.
Frank Scheuermann
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