Reaktionenen auf meinen Standpunkt zum Thema »Zeitgenössische Kunst bei ebay«



87 Einträge
27 Silky
11.12.03 17:02
Nachtrag zu Babaskind

Rothko ist nicht dekorativ!

Rothko (ich kriege immer heftiges Herzklopfen vor Glück, wenn ich vor einem stehe.. )ist ungeheuer kraftvoll und virtuos, hat eine enorme Sogkraft.
Man kann (o.k. ICH kann) mich diesen Bildern nie entziehen.
Bei dekorativen Dingen habe ich nämlich gar keine körperlichen Symptome .

Und bei Drucken von Rothko habe ich sie auch nicht. Die langweilen mich auch, weil sie die Kraft des Originals nicht haben (können).

Ein anderer Künstler, den ich einst wenig schätzte, weil ich ihn auch für vordringlich dekorativ hielt: Gustav Klimt.
Dann aber bin ich glücklicherweise nach Zürich geflogen, um mir die große Ausstellung über ihn anzugucken.

Es war eine Entdeckung. Es war eine Offenbarung. Die Postkarten und Bücher zeigen NICHTS von dem, was seine Kunst ausmacht.

Und nebenbei: Klimt hat Wahnsinnsakte gezeichnet. Göttlich! So schön.

Deshalb kann man sich auch bei Ebay ziemlich verhauen: online siehts interessant aus, die Wirkung ist futsch, wenn man es vor sich hat...
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26 Silky
11.12.03 16:46
Zitiere Wolfgang:
"Wenn ein Gemälde bei ebay nicht mindestens 120 Euro kostet, dann wird es wohl auch kein so gutes Gemälde sein ... "

Das wäre der Fall, wenn die ebay-Käufer Kunstverstand hätten.
Haben Sie den alle ????
Ich behaupte: NEIN !!
(haut mich ruhig)

Warum?
Denn dazu gehört (einiges hat Wolfgang ja sehr schön beschrieben), daß man sich mit Kunst auseinandergesetzt und den Umgang damit GELERNT hat.

Es ist ja gar nicht so einfach, einen Blick für (große) Kunst zu bekommen.

Die große und berühmte Sammlerin Peggy Guggenheim hat sich auch von Marcel Duchamp beraten lassen, von ganz alleine hätte sie nämlich nicht den jungen Jackson Pollock angefangen zu sammeln.



Wer die Möglichkeit hat, sich viele große Werke in Museen anzugucken und möglichst auch die Zeit und Gelegenheit hat, viele Stunden in Galerien zu verbringen, der entwickelt durchaus mit der Zeit ein Gespür für Qualität von Kunstwerken und natürlich auch ein Gespür für seinen ureigenen Geschmack.

Auf jeden Fall sollte man das Wissen um die Dinge nicht hoch genug einschätzen.

Ich war in Berlin die Nachmieterin einer Wohnung des deutschen Malers Raimund Gierke, der sein Atelier damals aber in Düsseldorf hatte.

Als ich der Nationalgalerie das erste Mal völlig unvermutet vor einem seiner Meisterwerke stand, habe ich einen Lachanfall gekriegt:
eine RIESIGE Leinwand, und sie sah aus - alles war in weiß - wie gestrichen mit einem Quast, so einem Teil, das man sonst zum Renovieren nimmt .

Tja, gelacht habe ich auch nur deshalb, weil ich ein ziemlich ahnungsloses Schaf war damals...

Bekam nämlich später Bücher über diese Kunstrichtung in die Hand und dort las und lernte ich hochinteressante Dinge.
Die Gruppe um Gerke nahm nämlich eine Farbe als Grundlage um darauf dann in unterschiedlicher Art und Weise und mit sehr verschieden (dicken) Pinseln Strukturen zu schaffen. Das Weiß bekam somit immer eine völlig andere Wirkung. Eigentlich wunderschön, oder?!!

Gelacht und in Gedanken abqualifiziert hatte ich dieses Gemälde der Nationalgalerie also aus lauter Dummheit.

Damit will ich NICHT sagen, daß einem ein solches Bild gefallen muß! Aber man braucht schon ein wenig Kunstverstand, um es EINORDNEN zu können.

Bei EBAY ist das Allermeiste sehr gefällig (im besten Fall) oder fürchterlich langweilig (zumindest in meinen Augen).

Die Perlen, die es immer wieder gibt, die muß man suchen. Aber hin und wieder findet man dann auch eine.

In diesem Sinne: freue mich auf weitere Wortmeldungen!!
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25 Wolfgang
11.12.03 11:03
Hier mischt sich der Moderator dieses Schwarzen Bretts mal wieder ein
Ich freue mich über die große Resonanz auf meinen Artikel, es haben innerhalb von 10 Tagen über 1500 ebay-Mitglieder die Seiten aufgerufen. Damit hatte ich nicht gerechnet!

Zum Thema "Kunst-Empfehlung" kann ich mich Silky eigentlich nur anschließen: das ist fast unmöglich bei Kunst! Was ist Kunst? Darüber streiten sich die Menschen seit Jahrhunderten.

Letztlich zählt, ob es einem gefällt.

Dennoch will ich es mir nicht so einfach machen. Meines Erachtens gibt es durchaus ein paar Kriterien für gute Kunstwerke:

1. Wie geht der Künstler mit Farben um? Mit Farben kann man komponieren wie in der Musik. Theoretisch kann man das an einer Hochschule lernen. Aber wie beim Komponieren gehört auch in der Kunst (angeborene?) Begabung dazu, Harmonien zu erzeugen oder an der richtigen Stelle "laut zu werden". Dabei spiel es keine Rolle, ob das Werk in erdigen Herbstfarben gemalt ist oder in poppigen Grundfarben. Entscheidend ist, wie die Farben nebeneinander gesetzt sind und wie sie gewichtet sind, d.h. welche Flächen sie bedecken.

2. Wie geht der Künstler mit Formen um? Ist das Format gut gewählt? Hat das Bild ein Blickzentrum, erzeugt die Linienführung eine Spannung? Das wird in der darstellenden Kunst zum Beispiel erreicht durch gut gewählte Ausschnitte, Anschnitte, Übertreibungen und Weglassungen. Beispiel: Ein Rosenstrauß, naturgetreu gemalt und brav in die Mitte gesetzt, ist langweilig. Das ist keine Kunst, bestenfalls Können. Der gleiche Strauß in die rechte untere Ecke verschoben, vom Bildrand angeschnitten und vielleicht mit unnatürlich vergrößerten Dornen wirkt schon ganz anders. Hier ist Platz für Interpretationen, das Werk besitzt eine Einmaligkeit. Einmaligkeit ist eine Voraussetztung für Kunst.

3. Wie geht der Künstler mit dem Material um? Es gibt in der bildenen Kunst die verschiedensten Malgründe, Künstlerfarben und Auftragstechniken. Acrylfarbe zum Beispiel läßt sich mit einem Schwämmchen ganz dünn, aquarellartig verlaufend auftragen, oder mit einem harten Pinsel, dann entstehen Linien, der Duktus, oder mit einem Spachtel, dann wird das ganze dreidimensional. Diese Auftragstechniken lassen sich auch kreativ kombinieren. Die Rahmung gehört ebenfalls dazu: Ist die Leinwand ordentlich auf einen Keilrahmen gespannt und sind die Ränder ummalt, oder bekomme ich nur ein zusammengerolltes Stück Baumwollstoff?

Wie findet man bei ebay die 1% (lt. Gunnar) bis 10% (lt. anna) gute Kunst? Zuerst einmal werde ich nur Bilder prüfen, die mich persönlich ansprechen, eine Saite bei mir zum Klingen bringen. Das muss der erste Filter sein! Dann schaue ich mir die Werke genau an und prüfe nach den oben beschrieben Kriterien. Der Punkt 2 lässt sich anhand der Bilder auf dem Monitor noch ganz gut beurteilen. Bei den Farben wird es schon kritischer, die sehen auf jedem Monitor etwas anders aus. Der Umgang mit dem Material wird nur in Detailfotos erkennbar, die gibt es leider nicht bei jedem ebay-Angebot. Letztlich mögen Ausbildung und Vita des Künstlers - sofern sie nicht Dichtung sind - einen Hinweis auf die Qualität des Werkes geben.

Auch der Preis kann etwas aussagen: Künstler, die über Monate Bilder einstellen, die zum Schluss zwischen 10 und 50 Euro bringen, müssen sich fragen lassen, warum sie das zulassen. Dann legen sie nämlich Geld drauf. Die einzige Konsequenz wäre in diesem Fall, sich aus ebay zurückzuziehen. Wenn sie es nicht tun, dann spielt wohl das Geltungsbedürfnis, die eigenen Werke auf dem weltweit größten Online-Markt auszustellen, eine übergeordnete Rolle.
Es mag zutreffen, dass einige rein dekorative Bilder ungerechtfertigt hohe Preise erzielen und einige wirklich schöne Kunstwerke für 30 Euro weg gehen. Aber das sind die Ausnahmen! Auch in der Kategorie Kunst gilt: ebay ist das zuverlässigste Instrument, um den wahren Wert (Preis) einer Sache zu ermitteln. Die Preise, die bei ebay für was auch immer gezahlt werden, stellen den angemessenen, reellen Wert der Sache dar! Basta! Im Umkehrschluss heißt das: Wenn ein Gemälde bei ebay nicht mindestens 120 Euro kostet, dann wird es wohl auch kein so gutes Gemälde sein ...
  E-Mail afkm.posconsult.de/


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24 babaskind
11.12.03 10:16
ich kann mich zwar nicht als kunstkritiker bezeichnen, aber ich finde, dass bei ebay durchaus gute werke finden kann! was ist Kunst und was nicht? Dekorative Bilder sind auch Kunst, oder nicht? Vasarely, Rotko?

Silky, dass mit dem "empfehlen" habe ich eigentlich anders gemeint, eher - welche ebay künstler findet ihr gut? das heißt ja nicht, dass ich diese auch gut finden muß.
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23 anna
11.12.03 07:39
90% sind KEINE Kunst. Minimum.
Und: Dekoration?
Es gibt ebay-Galeristen, die diese 90% als Deko-Schrott bezeichnen.
Wenn man da mal etwas gezielter und genauer durch das Angebot schaut: stimmt wohl.
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22 Gunnar Kleinecke
10.12.03 19:46
Wer hier Kunst sucht findet zu 99% Dekoration. Das ist es auch, was die meisten mit Kunst verwechseln. Kunst ist so selten, wie die Liebe. Und genau so wenig zu erklären. Es gibt nur Beispiele, und zum Glück Menschen (wenn auch nur sehr wenige), die anhand dieser Beispiele das Fenomen vermitteln können. Mein Tip, lest Reimer Jochims: Kunst und Identität, ISBN 3930717344.
  E-Mail www.mitwohn.com


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21 Hugo Dressler
10.12.03 18:44
Hallo,
Galerien hatten eigentlich die Aufgabe Künstler zu fördern, doch was ich selbst aus eigener Erfahrung als Ex-Galerist kennen gelernt habe sieht anders aus. Auf die Messe fahren, Bilder und Grafiken einkaufen die, von auch bekannten Künstlern, in Masse produziert werden. Ich halte das nicht für schlimm, denn eins ist klar ohne Geld keine Galerie und Künstler.

In Deutschland und Österreich gibt es nur ein paar wenige Galerien die Künstler fördern und ohne Ebay gebe es wohl auch nur eine Auswahl für einen kleinen sehr gut betuchten Kreis.

Menge der Bilder: Wir malen pro Tag ca. 5 Bilder und haben die Erfahrung gemacht das wir dadurch immer mehr lernen. Ich glaube auch nicht das die Kreativität darunter leidet.

Auch gibt es fast täglich anrufe von Kunden die ein Bild nicht bekommen haben und fragen ob es ein ähnliches gibt oder ob man es noch einmal malen kann. Ich finde das toll und betrachte die Bilder und Kunst auch nicht nur aus den heiligen Hallen der Selbstverwirklichung.

Beispiel Bauhaus: Berühmte Künstler (Kandinsky, Klee, Feininger,Itten usw.) die sich zusammen gefunden haben um Kunst und Design in Menge zu produzieren und für alle erschwinglich zu machen, daran war nichts falsch.

Ich betrachte die Kunst als Kreativ Handwerk das auch Mengen vertragen kann.

Ebay gibt allen die Möglichkeit Ihr Bild zu bekommen auch ohne Kunstverständniss und Vernisagen.

Liebe Grüße Hugo

  E-Mail http://www.art-paint.de


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20 silky
10.12.03 11:59
Hallo Babaskind,

ich würde mich NIEMALS trauen, jemanden, den ich nicht kenne, einen Tipp in Sachen Kunst zu geben.
Das kann nur schief gehen...
Liebe Grüße
Silky
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19 babaskind
10.12.03 10:50
tolle seite, kompliment!
versuche zur Zeit auch ein paar bilder zu ersteigern. bin sehr unsicher, da die bilder, die ich wollte, immer sehr hoch gestiegen sind. welche künstler sind den empfehlenswert?
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18 silky
09.12.03 20:57
Hab letztens einem Künstlerfreund auf einer Party erzählt, daß ich Kunst bei ebay gekauft habe. Das Entsetzen war groß.
Also, "richtig" ist, so wurde ich belehrt, daß man in eine Galerie geht, dort den Galeristen kennen lernt, von dem kann man ja nachher dann auch seinen Bekannten erzählen, oder daß man in das Atelier des Künstlers geht, dann kann man anschließend sogar vom Künstler berichten

Dieser Freund ist selbst ein ganz wunderbarer Maler, hat eine sehr gute Ausbildung, stellt in renommierten Galerien aus... nur leider kann ich mir derzeit noch nicht einmal seine kleinsten abstrakten Arbeiten leisten..

Ich selbst bin Galerienbesuche nie abgeneigt und zelebriere das auch ausgiebigst, allein die Preise machen mir zu schaffen.

Zu ebay: ich finde, man muß hier aber schon ganz genau hingucken, um etwas wirklich Schönes (Einmaliges) zu finden. Oder gucke ich falsch?
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