Hallo Gerfried,
bin gestern zufällig auf deine Seite gestoßen und war so fasziniert davon, dass ich mir sämtliche Einzelseiten in ca. 4 Stunden durchgelesen habe. Ganz tolle Webseite mit super Tipps und Bildern. Ich habe selbst eine kleine Obstbaumschule im Westallgäu und tagtäglich mit Wühlmausattacken zu kämpfen. Habe vor ca. 15 Jahren mit ersten Anpflanzungen angefangen und gleich nach dem ersten Winter 50% der Bäume verloren. Fing dann erst mal mit der bayrischen Drahtfalle an, allerdings ohne Erfolg. Leider kannte ich deine Seite damals noch nicht. Bin dann über einen Bekannten auf die Kieferle-Schußapparate aufmerksam geworden und fange seit dem damit. Ich habe mittlerweile auch schon mehrere Hundert Wühlmäuse bei mir und auf diversen Obstwiesen gefangen, musste aber auch mit dem Kieferle-Apparat Lehrgeld zahlen, da es einige Mäuse, ich weiß nicht wie, schaffen, selbst die Schußapparate zu verwühlen. Letztes Jahr habe ich dann einige meiner 12 Kieferle´s etwas modifiziert und u.a."scharf" nachgefeilt, seit dem erwische ich jede noch so listige Maus....
Werde mir aber, nachdem ich deine Tipps gelesen habe auf jeden Fall wieder Drahtfallen kaufen und ausprobieren, da die Kieferle´s und auch die Patronen doch ´ne Stange Geld kosten. Übrigens habe ich sämtliche chemische Vergrämungs- und Tötungsmethoden wie Ätherische Öle, Kalziumkarbid und Zinkphospid ausprobiert - alles ohne vernünftigen Erfolg, denn dafür sind die Tiere wieder zu schlau, zu cool oder die Gangsysteme zu groß. Selbst die Vergasungsgeräte funktionieren nur zu etwa 60-70%, je nachdem, wie optimal man das Gangsystem erwischt.
Noch kurz zum Thema Nachwanderung: Ist ein Riesenproblem. Ich habe festgestellt, dass leergefangene Flächen innerhalb 1-2 Monaten vollständig wieder besiedelt worden sind (u.a. in meiner Baumschule). Das frustriert echt! Habe mich dann zum Bau eines Schutzzaunes um die Anlage entschieden - mit gutem Erfolg. An der Außenseite sind Fangkübel eingegraben. Habe auf diese Weise heuer Ende Dezember auf einer Länge von nur 10m 10 Stk. jungendliche Wühlmäuse innerhalb drei Regentagen (Tauwetter) gefangen!!
Zum Schluß noch eine Frage, nachdem ich vor kurzem einen alten Schußapparat aus Holz (vgl. denen auf deiner Seite) in die Finger bekommen habe: Kannst du mir sagen, wie alt diese Apparate in etwa sind?
Schöne Grüsse erst mal aus dem auch wühlmausgeplagten Westallgäu
sendet Norbert
----------------
Kommentar:
Hallo Norbert
Leider kann ich deine Frage nur recht unzureichend beantworten.
Die ersten Selbstschussapparate dürften Anfang 1930 produziert worden sein. Diese Geräte waren der damaligen Beschreibung nach recht „primitiv“ und schwere Unfälle waren damit gar nicht so selten. Diese Schussapparate wurden von mehreren Firmen gefertigt. Wahrscheinlich auf Lizenz.
Jener Schussapparat den du bei mir in der Webseite siehst, war bereits im technischen Stand ausgereift und blieb bis zur Produktionseinstellung unverändert. Er stammt ungefähr aus dem Jahre 1940. Ich kenne den ehemaligen Besitzer persönlich. Sein Vater hat ein Gerät nach dem Kriegsausbruch in Deutschland bestellt (klingt irgendwie komisch, da ja Österreich schon in Deutschland eingegliedert war) und nachdem sich dieses Gerät bewährt hat noch weitere 20 Stück. Leider gingen im Laufe der Jahre 19 Geräte durch verleihen und so weiter „unter“. Kurz um, es blieben von den 21 Stück zwei Stück erhalten. Mit diesem von mir in der Webseite vorgestellten rechten Schussapparat, hat sich der Sohn des ursprünglichen Besitzers, der ihn mir verkaufte einen Finger weggeschossen. Diese Geräte waren also je nach Dosierung eine gefährliche Waffe.
Die Vorderladerschussapparate wurden bis mindestens 1964/1965 (vielleicht sogar etwas länger) produziert und parallel mit den inzwischen neuen Modellen die aus Aluminium angefertigt wurden verkauft. Diese neuen Modelle wurden schon mit einer 9mm Platzpatrone ausgestattet.
Ich gehe davon aus, dass die ersten Aluminium Schussapparat von der Fa. Auber erfunden und erzeugt wurden. Vermutlich war die Nachfrage recht groß, denn teilweise befindet sich auf den Aluschussapparaten das „Kieferlezeichen“ eine Art Tanne. Tatsache ist, dass die Fa. Auber diese Geräte noch bis von kurzen anfertigte. Leider scheint zumindest momentan keine weitere Produktion in Sicht.
Die Fa. Kieferle hat bis ca. 1993 einen recht guten robusten Schussapparat aus Vollstahl produziert und dieses Gerät durch den heutigen W2 abgelöst. Mit diesem Gerät ist ein Unfall beinahe ausgeschlossen. Die Sicherung ist einfach optimal.
Es stimmt. Die Munition ist nicht gerade billig. Der Schussapparat ist bei mir aber dennoch recht oft im Einsatz. Denn größten Teil der Wühlmäuse erlege ich aber mit der Bayrischen Drahtfalle. Das hast du beim Durchlesen sicher bemerkt.
Der Nachteil bei den Vorderladerschussapparaten war auch, dass das Schwarzpulver bei einer längeren Standzeit unter der Erde schneller feucht wurde und nicht mehr gezündet werden konnte. Die heutigen Platzpatronen sind daher alle mit einer Wachsschicht versiegelt.
Schussapparate so wie du einen hast, werden je nach Zustand zwischen 70 und 200 Euro gehandelt. Es handelt sich jedoch um ein Massenprodukt, wobei durch die Jahre doch viele Geräte verloren gingen. Daher der doch recht hohe Preis. Also ein Liebhaberstück für die Vitrine.
Norbert. Du hattest großes Glück. Nicht jeder hat so ein Stück zu Hause.
Recht schöne Grüße aus Vorarlberg sendet Gerfried
|