18 Harald Kotas 04.10.08 10:37 |
Liebe Editha!
Abraxas First Fellow of Sweetwater Creek 17.11.94 - 29.08.08
EIN NACHRUF
Dein erstes Baby aus Deinem ersten Wurf, mein über alle Maßen geliebter J U N I O R , ist nicht mehr. Wie ich Dir schon am Telephon erzählt habe, mußte ich die schwerste Entscheidung meines Lebens treffen: mich von ihm zu verabschieden. Wir haben die beiden Tage zuvor jeweils sehr schöne letzte Stunden auf seiner Lieblingswiese verbracht, er hat sich noch einmal aufgerafft und war "noch einmal jung" - und ist dann sanft entschlafen... Er war immer ein Kämpfer um sein Leben, sehr zäh und kräftig (Dank Deiner guten Zucht!). Nach einer Gelenksoperation im Jänner 2007 plötzlich eine lebensbedrohliche Komplikation - zwei Tage haben wir gebetet - und er hat´s geschafft! Dann November 2007: eine Art Schlaganfall -- er konnte nicht aufstehen oder gehen, hat nichts mehr gefressen und nichts getrunken. Ich war Tag und Nacht neben ihm - und er hat sich wieder in Leben zurück-gekämpft! (Schließlich ist er viel schneller wieder (fast) genesen, als die Tierärzte es glauben konnten. Februar 2008 ist er sogar mit uns noch auf Schiurlaub gefahren. Im Schnee war er wieder jung, das war immer seine große Leidenschaft! Völlig überraschend wollte und konnte er, dessen sämtliche Gelenke voll mit Arthrose waren, sogar Tiefschnee-Spaziergänge machen! Auch einen Sommerurlaub konnte wir unserem "Bären" noch bieten - da begannen aber schon die Probleme mit der Speiseröhre, mit dem Herz und schließlich eine Lungenentzündung, die wir trotz seiner Zähheit nicht mehr überwinden konnten. Die Intervalle zwischen guten und schlechten Tagen wurden immer kürzer und schließlich hat er mir gezeigt, daß er nun nicht mehr kämpfen will...
Junior war ganz einfach der perfekte Hund -- rund um die Uhr! Ich bin unendlich dankbar, daß ermich so lange begleitet hat. In täglichem Trainig auf der Donauinsel haben wir uns GH3-Niveau angeeignet. Ich war unheimlich stolz, daß er im Alltag quasi auf Fingerschnipp oder ganz dezente Handbewegungen reagiert hat. Und für große Entfernungen hatten wir unsere eigenen Sicht- und Pfiff-Zeichen, die wunderbar funktionierten. Und trotz aller guten Erziehung ist er ein eigenständiger Charakter geblieben, hat Eigeninitiative gezeigt und manchmal gab´s richtige "Machtproben" zwischen uns beiden Alpha-Tieren Besonders in den Flegeljahren hat er sich auch mit ein paar Rüden angelegt bzw. ist angefallen worden - dann haben wir beide stets Seite an Seite gekämpft. Mich hat das eine gebrochene Brille, eine abgerissene Uhr und einige Bißwunden gekostet. Junior hatte ein gespaltenes Ohr, einen zerbissenen Nasenspiegel und jede Menge "Löcher" im Fell -- alles problemlos und spurlos verheilt. Keine Allergien, keine Ekzeme - Dank Deiner guten Zucht!
Es gab eigentlich kaum etwas, wo Junior nicht bei mir / bei uns war, natürlich immer ohne Leine (da war ich konsequent; hab mich oft angelegt mit den Leuten. Wo er nicht hin durfte, war ich auch nicht, basta). Er war mit uns auf Almhütten und Gipfeln, wir sind gemeinsam geschwommen im See, in der Donau und im Meer und wir haben Wälder durchstreift in der Lobau, im Prater, Wienerwald, NÖ, Kärnten, Osttirol. Er hat mich fast 1/3 meines Lebens begleitet. Wie sehr wir zusammengewachsen waren, spüre ich erst jetzt schmerzlich....
Er hat sich mit mir ganztägige Seminare angehört, ist über Baustellen geklettert und hat mit mir "im Büro gelebt". Wie bedingungslos mich Junior begleitet hat, das verdeutlicht folgende Episode: da ich ihn praktisch überallhin mitgenommen habe, war er gewohnt, im Auto auf mich zu warten - immer bei offener Heckklappe, ohne Gitter, ohne Leine. Er ist in all den Jahren nur ein einziges Mal "eigenmächtig ausgestiegen": die Sonne hatte bereits die Heckklappe erreicht - und er hat sich nur neben das Auto in den Schatten gelegt und weiter gewartet!
Mit Worten läßt sich nicht beschreiben, was mir dieser Hund alles gegeben hat! Und was ich mit ihm alles verliere, kann kein Mensch ermessen.
Ich sehe ihn wieder -- wo es keine Schmerzen und kein Alter mehr gibt -- und wir nie mehr Abschied nehmen müssen...
Harald
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